Epilog

mein Jakobsweg – mi camino

vom 09. bis 30. Juli 2003
„e ultreia e suseia, deus aia nos“
(vorwärts, jetzt und immerdar,möge Gott uns helfen)

zwei müde Gesellen

zwei müde Gesellen

noch ein paar Gedanken – eine Nachlese

  • Warum machen sich so viele Leute auf den Weg?
  • Warum nehmen sie diese Mühen auf sich?
  • Welche Motivationen haben sie, dass sie so unbeirrt ans Ziel gelangen?
  • Welche Beweggründe motivieren den Pilger zu solcher Leistung

Das habe ich mich unterwegs immer wieder gefragt, gerade weil ich selbst häufig an meine eigene physische Grenze gestoßen bin und dennoch mein Ziel erreicht habe.

Zunächst einmal ist als erstes der religiöse Aspekt zu nennen,nicht umsonst heißt es, dass der Glaube Berge zu versetzen im Stande ist.
Viele besonders junge Leute habe ich getroffen, denen der sportliche Aspekt besonders wichtig ist. Und dieser Camino ist sicherlich eine starke Herausforderung besonders dann, wenn man nicht auf der asphaltierten Carretera fährt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der kunstgeschichtlichen Motivation. Eine nicht geringe Anzahl von Pilgern hat Freude an den herrlichen Kirchen, Klöstern, Palästen und Kathedralen, die es hier in einer Vielzahl und in vielerlei Varianten zu betrachten und zu bestaunen gibt.

Wieder eine andere Gruppe erfreut sich an der Kommunikation, sowohl mit Pilgern aus aller Herren Länder, als auch mit der einheimischen Bevölkerung. Ich könnte gleich mehr als ein dutzend Leute verschiedener Nationalitäten aufzählen, denen ich unterwegs begegnet bin. Mit ihnen habe ich mich oft ausgiebig unterhalten.

Viele Pilger erfreuen sich an der herrlichen und abwechslungsreichen Landschaft. Durch die Natur, außerhalb des Großstadttrubels und fernab von allem Lärm durchfährt man eine herrliche, abwechslungsreiche Landschaft: grüne Gebirge, kultivierte Hochebeben, auf denen Wein und Getreide wächst, dann wieder karge, verlassene Mittelgebirge, waldreiche Täler, grüne Wiesen und Weiden wechseln einander ab.

Das besondere an all dem ist, dass diese Beweggründe alle auf ein Ziel ausgerichtet sind. Ich wage zu behaupten, der Weg ist eine mobile Universität mit vielerlei Fakultäten, die da sind die Theologie, die Philosophie, die Geschichte, die Kunstgeschichte, die Architektur, die Soziologie, um nur einige zu nennen. Gleichgesinnte treffen sich und reden miteinander. Die Möglichkeit den anderen für sein Interesse zu begeistern und sich selbst ebenfalls begeistern zu lassen ist einfach genial. Meine Vision: der Intellekt besiegt die Gewalt, eine Chance für die Menschheit etwas mehr Frieden in der Welt zu schaffen.

Zum Organisatorischen
Mein Fahrrad: ein Simplon – Nimbus -Trekkingrad mit kompletter XT – Ausstattung, Gewicht: 13,5 kg
1100 km habe ich insgesamt zurückgelegt, bis eien Tachoausfall und einen Ständerbruch wegen Überlastung bin ichohne Panne davon gekommen.
Mein „Minimalgepäck“, 2 Packtaschen, 1 Lenkerasche, 1 Packsack, darin Zelt, Schlafsack, selbstaufblasbarer Liegematte, und immer 2,5 Liter Wasser dabei. Gewicht des Gepäcks 25 kg, mit meinem Eigengewicht also 110 kg transportiert, allerdings habe ich 5 kg abgenommen.
Vier größere Pässe überquert, die für mich alle mehr oder weniger anstrengend waren.
Drei Dia – Filme geknipst, in denen ich die wichtigen Situationen fest gehalten habe. -leider noch nicht Digital –

Begegnungen:
Hier eine Liste der Frauen und Männer, deren Namen ich behalten habe, Sie alle haben mich auf meinem Weg ein Stück begleitet und mich mit getragen. Sie alle haben meinen Pilgerweg bereichert und meine Erlebnisse, Empfindungen, Gefühle und Erfahrungen zu unvergesslichen Momenten in meinem Leben werden lassen. Ich danke jedem von ihnen, dass ich die Gelegenheit hatte, sie kennen zu lernen. Mit einigen konnte ich inzwischen wieder Kontakt aufnehmen, vielleicht werde ich einige von ihnen auf diesem Wege erreichen. Die meißten aber werde ich nicht mehr wieder sehen, sie werde ich jedoch in guter Erinnerung behalten. Die Namen in chronologischer Reihenfolge, wie ich ihnen begegnet bin.

Valentin Simons, aus Spalbeek, Belgien mit seinem Rennrad und Minimalgepäck unterwegs.
Marcel Eevers, aus Beringen, Belgien, der Gemütliche, hat mich auf der Fahrt oftmals ermutigt. Du schaffst das schon rief er mir oftmals zu. An einem Sonntag im Januar 2004 sahen wir uns endlich einmal wieder.
Hans Schepers, aus Eibergen, Niederlande, der fliegende Holländer, fuhr unermüdlich meistens vorne weg. Mit den Dreien zusammen fuhr ich gemeinsam mehr als die Hälfte meines Weges, das war eine schöne Zeit mit ihnen.
Paco aus Tardajos/Spanien, der Winzer, der mich seinen Wein kosten ließ und mir seinen Weinkeller zeigte.
Udo aus Österreich, wir hatten gemeinsam ein Zimmer im Hostal Las Delicias, in Mansilla de las Mulas. Er fuhr mit einem selbst „gezimmerten“ Rad.
Jürgen u. Birgitta, aus Frechen, auch Radpilger, sie pilgerten jedoch etwas komfortabler als ich.
Barbara B. und Resi V.  aus der Eifel, Abi-Teenager, ausgelassen, fröhlich, und freundlich. Wir begegneten uns in der Nähe von Hostal de Orbigo kurz vor Astorga auf einer großen Kreuzung, fuhren drei Tage zusammen über Rabanal, Cruz de Hiero, Ponferrada, O Cebreiro bis Portomarin auch später sahen wir uns noch ein paar Mal so in Santiago in der Herberge und auf der Rückfahrt mit dem Bus nach Irun. Ich fühlte mich sehr freundschaftlich mit ihnen verbunden. Schade, dass es mir nicht gelungen ist, mit ihnen in Kontakt zu bleiben.
Heute, fast zehn Jahre später, beim Umgestalten meiner Site, finde ich diesen Zeitungsbericht:
spontane Pilgerreise per Rad
Für die Beiden war ich halt nur ein „alter Opa“ auf ihrer Pilgerreise nicht erwähnenswert. Für mich waren sie wahrscheinlich die subtilste Begegnung überhaupt.
ein italienisches Ehepaar, die in Arca draußen vor der Herberge mit mir an einem Tisch saßen und mir queso und vino anboten. Ein paar Tage später habe ich sie auch in der Herberge in Santiago wieder getroffen.
Magda Bartoszewicz, aus Lodz, Polen, eine fromme, blonde Englischlehrerin, sie wollte nur Wechselgeld zum Telefonieren, daraus wurde ein ganzer Nachmittag zusammen durch Santiago.
Elisabeth Bruyns + Emilie van Eyll aus Belgien; zwei ganz patente junge Frauen, studieren beide in Louvain La Neuve. Wir trafen uns in der Herberge in Santiago, und wir feierten gemeinsam das Fest am 24. Juli, dem Vorabend des Jakobustages auf der Praza Obradoiro. Der Kontakt zu beiden war abgebrochen. Noch traurig über den Verlust meiner Notizen, erhielt ich nach drei Monaten hocherfreut eine Email von Emilie. Sie waren auch die Ersten, die ich nach der Reise wieder sah.
John der Engländer, angeregte Unterhaltung bei einem Kaffee auf der Plazuela de Fonseca
ein Pilger aus Franken, (fand ihn zu Hause auf einem meiner Fotos wieder, das ich zufällig in Portomarin aufgenommen hatte) unterwegs mit
einem Priester aus Österreich, den beiden Fußpilgern bin ich während des Pontifikalamtes in Santiago begegnet. Die Beiden hatten sich unterwegs getroffen und sind dann gemeinsam zu Fuß angekommen.
Marcello und Francesco von Milano, Italien, Camino- Anfänger, con bicicleta
Riccardo aus Prato, Italien, ein Pilger zu Fuß alle drei hören sehr interessiert meinem Reisebericht zu.
Sylvie Bidegain, Ludovic Pelofy, Benoit Gaby, Sébastian Laroche, die netten Polizeibeamten von der Gendarmerie National in Cambo les Bains sie haben mir nach dem Unfall mit meinem Auto in vorbildlicher Weise geholfen.
die Eigentümerin des Hotel le Trinquet, sie trocknete meine nasse Wäsche
die Frau aus USA, die mir nach ihrer Pilgertour ihr 25 Jahre altes Rennrad schenkt, weil sich für sie eine Mitnahme nach Hause mit Bahn und Flugzeug nicht mehr lohnt. Das Rad habe ich gleich an ein Fahrradgeschäft in Cambo les Bains weiterveschenkt, denn im Schaufenster hatte ich gesehen, dass da ein Radfan solche Raritäten sammelt.
ein Pärchen aus Quebec, Kanada im Bahnhof von Bayonne, nur Wanderer.
Das Mädchen aus Bolivien auf Europatripp, bietet mir in der Wartehalle des Gare de L’Est in Paris einTempo an, um mich vom Taubenschiss zu befreien.

adónde vai peregrino? - wohin gehst du Pilger?

adónde vai peregrino? – wohin gehst du Pilger?

Ich plane bereits eine neue Fahrt Santiago 2004

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