4. Tag

Dientag 29.06.04
von Hadancourt le Haut Clocher nach – St Prest
– Fahrzeit 7,33h – Wegstrecke 120km – Summe 414km – Temperatur 10-32°C

Ist der Weg auch noch so steil und lang irgend wie erreiche ich auch dort den Gipfel und es folgt wieder eine angenehme Abfahrt, die wieder etwas Kühlung bringt nach der großen Anstrengung. Heute werde ich außer Baguette und Croissant etwas mehr Proviant einkaufen und vielleicht auch einmal Essen gehen, wenn es nicht zu teuer ist. Ich war wieder relativ früh aus meinem warmen Schlafsack gekrochen und nach einem wärmenden Kaffee bereits um halb acht wieder unterwegs. Am Morgen ist es nach einem heißen Tag in der Früh bei 10 °C noch immer recht frisch. Unterwegs muss ich anhalten und ziehe mir etwas wärmendes über. Ein erstes Pilgerzeichen links der Straße: Ein Kloster, Croix de Saint Jacques, das stattliche Anwesen ist mit einer hohen Mauer umschlossen und gewährt dem Vorbeieilenden keinen Einblick. In schneller Fahrt führt die Straße nun talwärts. Ich überquere bereits die Seine und erreiche Mantes la Jolie

Mantes la Jolie - die alte Brücke über die Seine

Mantes la Jolie – die alte Brücke über die Seine

Manthes la Jolie - La Cathédrale

Manthes la Jolie РLa Cath̩drale

Nun beginnt der Süden, denke ich bei mir, – Paris habe ich stets bei Sonnenschein erlebt. – Tatsächlich ist das Wetter beständiger geworden, jetzt schon in der Ile de France, bei Sonnenschein und 25 °C. Ein sehenswertes Städtchen ist dieses Mantes. Es lohnt sich, durch die Straßen der Altstadt zu schlendern und dabei dabei die schöne gotische Kirche zu besichtigen. Von weitem glänzt ihr prächtiges mit Majolika-Pfannen gedecktes Dach. In einem kleinen Vorortladen kaufe ich meine Tagesration ein: Tomaten, Pfirsiche, Apfelsaft, eine Dose Nudeln Bolognaise und Baguette. Bereits beim Einkaufen freue ich mich auf ein aus gedehntes Mittagessen. Hartwurst und Käse habe ich ja auch noch dabei. Beim der Wahl der Lebensmittel achte ich darauf, dass es nicht zu viel ist, denn ohne Kühlschrank muss ich sehen, dass mir sie Sachen nicht verderben und außerdem denke ich auch an das Transportgewicht.

Die ersten Sonnenblumenfelder tauchen auf „tournesol“ lautmalend in französischer Sprache, weil sie ja ihre Blütenkörbe immer nach der Sonne ausrichten. Bergauf, bergab, ich sehe immer nur ein ein kurzes Wegstück vor mir, ähnlich wie im Leben. Ich glaube, ich würde unglücklich werden, hätte ich wirklich bereits das Ziel vor Augen mit allen Schwierigkeiten, Enttäuschungen und Gefahren. Und ich stelle fest, es ist gut so. Hinter Houdan kann ich wieder einmal die Karte umschlagen und freue mich, dass ich bis Chartres nicht mehr all zu weit habe. Ich fahre jetzt durch ein stilles, ruhiges Tal entlang dem Flüsschen Eure auf einer schmalen kaum befahrenen Straße. Vorbei an saftig grünen Wiesen, im Wechsel mit schattigen Wäldern. Einer der Dolmen bei St Piat, die mich immer schon faszinierten, reizt mich zu einem Foto. Ein wenig später frage ich nach einem Campingplatz, ja es gibt einen in St. Prest, aber so erfahre ich, ein gewisser Dr. Brossolet empfängt Jacobspilger. Ich werde noch ein bisschen nach dem woher und wohin ausgefragt und gebe bereitwillig Auskunft, auch ein wenig stolz über die bereits geleistete Wegstrecke. Ich müsse doch sicher Durst haben, und der Mann bietet mir ohne große Umstände eine Flasche Wasser an. Sicher ein „Amis de Saint Jacques“, denke ich bei mir, nachdem ich mich bedankt und verabschiedet habe.

Accueil Saint Jacques chez M. le docteur Brossolet

Accueil Saint Jacques chez M. le docteur Brossolet

Plakat vor dem Haus

Plakat vor dem Haus

Nun stehe ich vor dem Tor des Arztes, aber es ist niemand zu Hause. So beschließe ich, zunächst mein Abendessen zu bereiten und es am frühen Abend dann nochmals zu versuchen. Zunächst nur mit einem Teilerfolg; man öffnet das Tor, M. docteur n’est pas là, dafür aber ein Freund der Anstreicherarbeiten im Hause verrichtet. Das Ehepaar sei bei der Mutter in Paris, erhalte ich als Antwort, weil ich die gute Möglichkeit ahne, endlich mal wieder ein Bett zu haben, frage ich beharrlich weiter, ob er sie nicht anrufen könne. Jedenfalls nach einigen Telefonaten hin und her über seine Frau erhalte ich die Auskunft, dass ich bleiben kann und bekomme ein Zimmer zu geteilt.

unter dem Dolmen

unter dem Dolmen

2. Versuch Fein säuberlich mit frischer Wäsche Handtücher im Badezimmer alles blitzblank. Nach dem Duschen schaue ich mir nochmals meine Tagesfotos an und stelle fest, dass die Einstellung vom Dolmen nicht so gut war. Kurz entschlossen fahre ich halt die 9 km mit dem Rad nochmals zurück um die Aufnahme zu wiederholen. Ein kleiner Entspannungstripp am Abend um neun Uhr. Schon wieder auf dem Heimweg, nehme ich in einer kleinen Bar in Jouy noch „un petit blanc“ und fahre zurück zu meiner Herberge. Nach einer langen, anstrengenden Etappe steht einer erholsamen Nacht nun endlich nichts mehr im Wege.

Reiseweg
zum 5. Tag

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