7. Tag

  • Freitag 02.07.04
    von Amboise nach Pussigny
    – Fahrzeit 6,5 h – Wegstrecke 92km – Summe 691 km – Temperatur 16-26°C

Heute Abend ist seit dem Beginn meiner Reise bereits eine Woche vergangen. Die Zeit vergeht wie im Flug, eine Zeit, reich an Erlebnissen und Eindrücken, an die sicher noch oft und gerne zurück denken werde. Aber ich beeile mich auch, das alles akribisch niederzuschreiben, damit ich es in meiner Erinnerung behalte. Das geschriebene Wort ist ja ein ganz phantastisches Werkzeug, mit dessen Hilfe das Vergangene mit all den seinen Erfahrungen und Erlebnissen wieder wachgerufen und zum Leben erweckt werden kann. Nun wieder links der Loire bin ich schon recht früh am Morgen von Amboise aufgebrochen und schon bald in der Stadt Tour angekommen. Nach ihr ist ja dieser Weg benannt die Via Touronensis oder „La Voie Touraine“ (der Tourainer Weg) noch einfacher die Niederstrass.

Der Pilgerweg hier ist allgemein weniger bekannt und deshalb auch nicht so frequentiert wie die drei anderen Wege durch Frankreich, die jeweils in Le Puy, in Vézelay oder in Arles beginnen. Ich habe bisher ja auch noch keinen Pilger auf dem Weg angetroffen. Die Stadt Tour, bekannt durch den hl. Martin, hat eine bedeutende gotische Kathedrale aus dem 12. Jhdt., Saint Gatien, mit einem reich verzierten Westwerk und schönen Glasmalereien.

Tour, die Kathedrale St. Gatien

Tour, die Kathedrale St. Gatien

 

Fresko aus dem 11. Jhdt

Fresko aus dem 11. Jhdt

Ich bin auch in der Basilika Saint Martin gewesen. Die wurde im XIX Jahrhundert im neu-romanisch-byzantinischen Stil erbaut und beherbergt in der Krypta die Reliquien des Heiligen. Von dem ursprünglichen Bauwerk sind seitlich nur noch zwei Türme übrig geblieben. Aus ihrem Abstand zueinander kann man die gewaltigen Ausmaße der einstmals fünfschiffigen Basilika ermessen.
Etwas mühselig suche ich mir den Weg hinaus aus der Stadt. Viel zu spät merke ich, das ich den Abzweig rechts ab nach Balan Miré verpasst habe, der vermeintliche Umweg über Monts erweist sich schließlich doch als der Kürzere, und zählt nicht zu den plus 10 % an Mehrkilometern, die ich zu Beginn meiner Tour bereits einkalkuliert hatte. Durch eine waldreiche Gegend gelange ich zunächst zur Indre einem Nebenfluss der Vienne, die ich über einen lang gestreckten Höhenzug erreiche. Dem Lauf der Vienne werde ich Fluss aufwärts nun bis Châtellerault folgen, wo der Nebenfluß Clain abzweigt, der wird mich immer durch ein Tal bis nach Poitiers führen.

le grand chef

le grand chef

unterwegs

unterwegs

Westwind

Westwind

Ziegenhof, Pussigny

Ziegenhof, Pussigny

morgens und abends wird gemolken

morgens und abends wird gemolken

Aber zunächst will ich noch vom Ende meiner Tagesetappe berichten:
Bei den schnellen Abfahrten muss ich oft bremsen, weil ein böiger Seitenwind bedrohlich an meinem Lenker zerrt. Pussigny heißt der nächste Ort, bei dem ich gerne meine Tagesetappe beenden möchte. Da gibt es einen Ziegenhof, den ich vor Jahren schon einmal besucht hatte, und ich stelle mir vor, dort mein Zelt da aufstellen zu dürfen. Über eine Steilstrecke abseits vom Hauptweg erreiche ich auch recht bald den Hof. „Ein Santiagopilger bittet darum heute Nacht sein Zelt bei Ihnen aufstellen zu dürfen, so sage ich schon recht „profesionell“ mein Sprüchlein auf, in französischer Sprache versteht sich, und ich erfahre ein herzliche Aufnahme.

Reiseweg
zum 8. Tag

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