20. Tag

Freitag 12. August 05
Fahrstrecke-km 42 – Gesamt-km 1916

zum Petersdom und meine erste Schnuppertour durch Rom

In 19 Tagen nach Rom; ich bin viel früher angekommen als geplant, denn ich hatte ursprünglich 21 Tage auf dem Rad und 5 Weitere zum Ausruhen und für Besichtigungen einkalkuliert. Ich war um einiges schneller als vorgesehen und somit eine ganze Woche eher am Ziel. Wie oben schon erwähnt, muss ich mir etwas überlegen, wie ich meinen Aufenthalt in Rom sinnvoll gestalten kann. Dabei habe ich die Idee, mir jeden Tag ein Thema zu stellen. Besonders reizvoll ist es für mich, meine Ziele jeweils auch mit dem Rad zu erreichen. In meinem Bericht will ich die Sehenswürdigkeiten allenfalls auf ein paar Stichpunkte beschränken, – für präzise Beschreibungen gibt es genug Autoren, die es besser können als ich. Vielmehr will ich meine ganz persönlichen Eindrücke und Erlebnisse auf meinen Rundgängen schildern.

Natürlich gilt für mich als Pilger mein heutiger, erster Tag dem Besuch des Petersdomes und hier dem Grab des jüngst verstorbenen Papstes. Den ganzen Morgen habe ich in der Basilika verbracht. Damit habe ich den Anfang meines morgigen Themen-Tages schon zum Teil vorweggenommen, wer also gleich weiter will:
zum 21.Tag

Petersdom

Petersdom

 ... im Innern des Domes

… im Innern des Domes

Blick in die Kuppel

Blick in die Kuppel

Am Nachmittag bleibt aber noch genug Zeit für eine erste Schnupper-Tour durch Rom. Das sind die vielen, seit langem liebgewonnen Stadtteile, Straßen und Plätze die ich in gemütlicher Ruhe durchfahre: Trastevere – Piazza Venezia – Via del Corso – Piazza del Populo – durch den Park der Villa Borghese – Santa Trinita dei Monti – Castel Sant’Angelo und auf der Via Aurelia wieder zürück. Es hat sich scheinbar nichts verändert, alles sieht noch genauso aus wie vor 16 Jahren, als ich zuletzt hier in Rom war.
Auf dem Rückweg schelle ich an einem Tor an, vielleicht doch noch eine bessere Unterkunft zu finden. Damals, vor fast 40 Jahren kannte ich ganz in der Nähe eine Adresse. „Nein die Schwestern und ihr Kloster gäbe es schon lange nicht mehr sagt mir die freundliche Signora, aber sie ist sehr interessiert, woher ich komme und staunt nicht schlecht, als ich erzähle, dass ich die ganze Strecke von Deutschland bis hier hin mit dem Rad geschafft habe. Das muss ich meinem Mann erzählen, sagt sie mir, er ist ein leidenschaftlicher Radsportler. Wie wäre es, wenn ich morgen mal vorbeikäme, um ihn kennen zu lernen, dann sei er bestimmt zu Hause. Am nächsten Tag komme ich auf dem Rückweg zum Campingplatz wieder an dem Haus Nr. 291 vorbei, doch der Vater ist wieder unterwegs, bekomme ich diesmal von seiner Tochter zur Auskunft. So verabrede ich, dass ich morgen um 9 Uhr nochmals vorbeischaue. Dann sei er ganz sicher zu Hause. Tags darauf bin ich pünktlich vor dem Tor, doch Luigi ist unterwegs, eine Kettensäge zu besorgen und hat überhaupt wenig Zeit, denn er hat ein Hubgerät bestellt, um die Pinie in seinem Vorgarten zu stutzen. Macht nichts, dann warte ich solange und kann mich ein wenig nützlich machen indem ich derzeit den Straßenverkehr regle. Die Signora bringt mir schon mal einen Espresso nach draußen auf die Straße.

Luigi, la signora und der Autor

Luigi, la signora und der Autor

Nach 1 1/2 Stunden ist der Baum auf ein Mindestmaß gestutzt und wir trinken eine Flasche Bier. Jetzt erst können wir in Ruhe mit einander sprechen. Luigi ist Nacht-Taxifahrer und wenn er morgens nach Hause kommt schläft er erst mal zwei Stunden, so erzählt er mir und setzt sich anschließen auf sein Rennrad. So macht er das jeden Tag, außer Sonntags, da fährt er zu Verwandten aufs Land. Luigi ist so fasziniert von meinen ganz andersartigen Radfahrambitionen, dass er mir vor lauter Begeisterung eines seine Rennrad-Trikots schenkt. (siehe Foto vom 19.Tag auf dem Petersplatz) „Was machst du heute“? fragt er mich, „Heute will ich noch zu Santa Maria Maggiore, und danach habe ich frei“. Dann lade ich dich um 13:15 Uhr bei mir zum Essen ein, aber sei bitte pünktlich. Das habe ich so gerade eben auch geschafft, ich werde meinen Besuch und die Besichtigung nochmals wiederholen müssen. Der Tisch ist ein wenig festlich gedeckt und Luigis Frau bringt eine Vorspeise Schinken, Käse und Brot aus der Produktion der Verwandten; darauf eine Minestrone, als dritten Gang gibt es cotoletta con fagioli (Kotelett mit Bohnen) gefolgt von Früchten und später zum Kaffee auch noch Kuchen. Währenddessen hatten wir uns natürlich viel zu erzählen. Es ist schon weit über vier Uhr hinaus, da fällt es Luigi ein, dass er allmählich zur Arbeit muss. Wir tauschen unsere Adressen, und versichert mir beim Abschied, wenn ich das nächste Mal nach Rom komme, brauche ich keine Unterkunft mehr für mich und meine Frau zu suchen. Schon wieder zu Hause in Deutschland, als ich ihr von meinem Erlebnis erzähle, weiß sie, dass Luigi = Ludwig heute Namenstag. Die Gelegenheit nehme ich zum Anlass, ihm per Telefon zu gratulieren und um mich nochmals zu bedanken. Natürlich ist er um diese Uhrzeit unterwegs, aber so versichert mir die Signora, jetzt rufe ich ihn sofort an, dass er von deiner Nachricht erfährt.
Die Begebenheit spielte sich an mehreren Tagen ab, habe sie aber zum besseren Verständnis im Zusammenhang beschrieben.

Jetzt muss ich jedoch wieder zeitlich zurückspringen.

Auf dem Campingplatz, haben sich zwischenzeitlich in meiner Nähe weitere kleine Zelte etabliert. Ein Biertisch steht zur Verfügung, an dem man gemeinsam essen, trinken und sich unterhalten kann. Wir sitzen nahe bei einem Feigenbaum, von dem man sich jeden Tag neue, reife Früchte pflücken kann. Schöne Bekanntschaften habe ich hier vor allem mit Laëtitia, Mathilde, Magalie, und Benjamin gemacht, wir haben oft am Abend bis spät in die Nacht zusammen gesessen und uns unterhalten.

Reiseweg
zum 21.Tag

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