9. Tag

Montag 01.August 2005
Arth – Pfäffikon (Zürichsee) – Flums (Walensee)- Bad Ragaz – Landquart – Chur – Disentis/Mustèr
Fahrzeit 7:46 h – Tages-km 107 – Gesamt-km 914 – Temperatur 20-35°C
erkletterte Höhenmeter 2758 m

Genug der Ruhetage, heute geht es endlich weiter. Der 1. August ist, wie schon erwähnt, der Nationalfeiertag auf den jeder echte Schweizer besonders stolz ist. In allen nur erdenklichen Varianten findet man das das weiße Kreuz auf rotem Grund, noch zahlreicher als sonst hängt allenthalben die Nationalflagge, aber auch ganz trivial auf Bechern, Kleidung, Servietten, Handtüchern es ist keine Möglichkeit ausgelassen, wo das Nationalemblem nicht einen Platz fände. Der Schweizer hat ein Nationalgefühl, das man sich bei uns in Deutschland nicht vorstellen kann. Wen wundert’s, nach solcher immer noch nicht bewältigter Vergangenheit.
Nach dem Frühstück begleiten mich Marlis und Josef, Barbara und Nico ein Stück des Weges oder besser gesagt, sie bringen mich im Auto ein Stück auf den Weg, sprichwörtlich über den Berg, vorbei an Einsiedeln und Pfäffikon am Zürich See, bis nach Flums gleich am Ende des Walen Sees, wo ich in aufs Neue starte. Da wird zunächst das Rad wieder zusammengebaut und bepackt. Und nach einigen, guten Ratschlägen, einem Erinnerungsfoto und einem herzlichen Lebewohl, bin ich endlich wieder alleine. Ach ja, das Loslassen, nach angenehmen Tagen der Geborgenheit, fällt mir immer ganz besonders schwer. Aber heute ist ein herrlich sonniger Tag, das erleichtert die Trennung. Eine unbeschreiblich frische Natur nach den letzten beiden Regentagen strahlt mit entgegen. Ich durcheile kleine Dörfer und Weiler, alle in friedlicher Festtagsstimmung. In Landquart angekommen, erreiche ich den Radweg Nr. 2 und bin somit schon wieder am Rhein, der heute den ganzen Tag noch mein Begleiter sein wird.
Viel schmaler ist der rauschende, schnell dahin fließende Fluss jetzt geworden, seid ich ihn das letzte Mal, ein paar hundert Kilometer abwärts sah.

 

immer enger rücken die Berge zusammen

immer enger rücken die Berge zusammen

 

Ausblick von einer Brücke

Ausblick von einer Brücke

 

Chur, Altstadt

Chur, Altstadt

Chur , Kathedrale

Chur , Kathedrale

 

Chur bischöfliches Schloss

Chur bischöfliches Schloss

Chur Kathedrale und bischöfliches Schloss

Chur Kathedrale und bischöfliches Schloss

 

Blick tief hinunter ins Rheintal

Blick tief hinunter ins Rheintal

 

Aufstieg bei Bonaduz

Aufstieg bei Bonaduz

 

10 km vor dem Tagesziel

10 km vor dem Tagesziel

 

Disentis ist nicht mehr weit

Disentis ist nicht mehr weit

eine alte Holzbrücke unterwegs

eine alte Holzbrücke unterwegs

Um ein Uhr bin ich bereits in Chur, mache da meine Mittagspause und anschließend eine kleine Ortsbesichtigung. Chur ist eine nette Kleinstadt im Gebirge, zählt etwa 31 000 Einwohnern hat enge, saubere Gassen, die oft in idyllische Plätze einmünden. Den Ort zieren zahlreiche, schöne Brunnen, aus denen kühles Wasser fließt, gerade recht, um mir meinen Vorrat neu zu aufzufüllen. Chur ist aber auch die Hauptstadt des Schweizer Kantons Graubünden und Bischofssitz seit 451. Zu den historischen Bauten zählen die Kathedrale Sankt Mariae Himmelfahrt, ein romanisch-gotischer Bau aus dem 12. und 13. Jahrhundert, das im 18. Jahrhundert barock umgestaltete bischöfliche Schloss aus dem 17. Jahrhundert sowie das 1465 erbaute und später mehrfach ausgebaute Rathaus. Weil es noch so früh am Tag ist und auch weil der Fehler an der Schaltung einigermaßen behoben zu sein scheint, entschließe ich mich, noch ein Stück weiter zu fahren. Bei Reichenau, da wo Vorderrhein und Hinterrhein sich trennen verlasse ich die Hauptstraße, um nicht über Flums sondern über Bonaduz wieder dem Radweg Nr. 2, zu folgen. Da geht es zunächst über etliche Kilometer in schwindelnde Höhen, und ich sehe auf einmal tief unter mir das Rheintal liegen. Hier ist es, wo ich auch zum ersten mal auf meiner Tour absteigen muss, um ein Stück zu Fuß zu schieben. Nachher oben auf der Höhe steigt die Straße nur noch schwach, werde aber später mit einer 11 km langen Abfahrt hinunter nach Ilanz belohnt. Nun wieder am Vorderrhein folge ich nur noch dem Flusslauf und es steigt wieder ganz allmählich bergan.

 Ein Haus für Pilger?


Ein Haus für Pilger?

 

Detail

Detail

So komme ich kurz vor sieben am Abend an einem Haus vorbei, steige vom Rad und versuche hier den rätoromanischen Spruch am Giebel zu entziffern. Zunächst denke ich, es sei die Einladung des Hausherrn, der den vorbeikommenden Pilger willkommen heißen will. Heute weiß ich jedoch um die rechte Bedeutung der beiden Zeilen und bin froh, dass ich da nicht angeklopft habe. Ich fuhr weiter bis ins nahe Disentis, wo ich in der großen Benediktinerabtei eine sichere Pilgerherberge vermutete.

In questa casa de Cuntrin
jeu sundel mo in pelegrin.
Il Segner ha pinau per mei,
in stabel plaz en tschiel vonzei.
In diesem Haus von Cuntrin,
bin ich auch nur ein Pilger.
Der Herr aber hält für mich einen festen
Platz im Himmel bereit, irgendwann.

Und wirklich, 19:30 Ankunft im Kloster, ich muss zwar noch eine Stunde warten, weil das ganze Kapitel das letzte Stundengebet, die Komplet betet, doch dann, um halb neun werde ich vom Gastpater Urban freundlich an der Pforte begrüßt und bekomme im Internat, – es sind ja Ferien, – ein großes Vierbettzimmer zugewiesen. Es hat angefangen zu regnen, aber ich bin gerade noch rechtzeitig im trockenen angekommen, sitze nun in der 3. Etage meiner Herberge und schaue zum Fenster hinaus, während ich mir mein Abendessen zubereite.

mein Reiseweg
zum 10.Tag

Schreibe einen Kommentar