24. Tag

Montag 19.07.04
von Cacabelos nach O Cebreiro
– Fahrzeit 4,66h – Wegstrecke 44km – Summe 1976km – Temperatur um 14-28°C

Von Cacabelos zum Cebreiro, das ist an diesem Tag mal wieder eine recht kurze Etappe, aber wegen des steilen Anstiegs sicher nicht einfach zu nehmen. Um 6:30 aufgestanden, sind wir nochmals nach Cacabelos hinein, um einen Kaffee zu trinken. Die Bar öffnet gerade erst; die Sonne geht hier viel später auf, der Tag beginnt also auch später. Hier im Westen Spaniens bin ich zum Vergleich auf dem gleichen Längengrad, wie mitten in Irland. Im Kopf, – man hat ja sonst auf dem Rad nicht allzu viel zu denken, – überschlage ich schnell mal; der Zeitunterschied zu meinem Heimatort: 360 Längengrade/24 Stunden macht 15°/Std. aus. Da die Differenz der Längengrade nahezu 15° beträgt, ist rein rechnerisch gesehen der Zeitunterschied ca. eine Stunde. Aha, deswegen sind wir also so früh dran, dazu kommt auch noch die Sommerzeit. Villafranca del Bierzo, der Name deutet auf eine fränkische Siedlung hin, Ein altes schönes Städtchen, tief an der Öffnung eines Tales gelegen, da wo die Berge ganz eng zusammenrücken und sich das Flüsschen Valcarce eine tiefe Furche gegraben hat. Am Berg gelegen, gibt es auch eine wehrhafte, mittelalterliche Burg, gewiss Wahrzeichen der Stadt. Ganz in der Nähe, noch am Ortseingang, finden wir eine Jakobuskirche und ein Herberge gleich dabei

Castillo in Villafranca del Bierzo

Castillo in Villafranca del Bierzo

oben auf dem Cebreiro haben wir die beiden doch wieder getroffen

Luis, Katsu+Yasuko und der Autor

Luis, Katsu+Yasuko und der Autor

. Yasuko und Katsu sind schon da, beide bei der Arbeit, sie malt, während er einen Reifen flickt. Schnell mal eine Aufnahme von uns Vieren, wer weiß ob wir uns nochmals wieder sehen. Nach einer kleinen Pause auf dem Marktplatz wagen wir die Weiterfahrt, erst steil bergab ins Tal, dann über die Brücke und nun kommen wir in das enge Tal hinein. Oft sind die spanischen Ortsnamen sehr lautmalend, so bedeutet Valcarce vielleicht Kerkertal, so eng ist es hier.

ein gelber Camino im Valcarce

ein gelber Camino im Valcarce

Der Camino verläuft jetzt gelb gestrichen entlang der Straße. Neben diesem Weg winden sich noch zwei weitere Routen durch das enge Tal, eine Schnellstraße und eine Autobahn, über kühne Brücken imme weiter hinauf, mal unter uns, mal über uns. In Ambasmestas war es im vergangenen Jahr, wo wir uns uns auf Anraten einer Frau für die sehr schwierige Route entschieden hatten, ausgerechnet treffen ich diese Frau an der gleichen Stelle wieder vor ihrer Haustüre. Diesmal entscheiden wir uns jedoch für die etwas längere bequemere Straße. Immerhin sind es noch 18 km bis zum heutigen Etappenziel und die Straße steigt fortwährend an. In Petrafita geht’s links ab nach O Cebreiro, ein kleines verlassenes Bergdorf, gäbe es da nicht die Pilger, die etwas Leben mit heraufbringen.

das Bergdorf O Cebreiro

das Bergdorf O Cebreiro

massive gedrungene Steinhäuser aus Granit

massive gedrungene Steinhäuser aus Granit

Der Ort ist recht Legenden umwoben. Man erzählt sich die Geschichte von einem Pilger, der sich im Nebel der Berge verlaufen hatte. Schließlich fand er doch wieder auf den rechten Weg bis hier hinauf, weil er dem Klang einer Agaga folgte (eine Art Dudelsack). Eine andere Begebenheit berichtet von einem frommen Bauern, der hinauf zum Gottesdienst eilt, während der Priester gar keine Lust hat für einen einzelnen die Messe zu halten. (siehe Santiago 2003) Ein weiterer Bericht besagt, dass der in der Kirche, ausgestellte Kelch der Gralskelch aus dem Parsifal sei, der auf geheimnisvolle Weise hier hergekommen ist.

O Cebreiro, wenn die Pilger nicht wären!

O Cebreiro, wenn die Pilger nicht wären!

O Cebreiro

O Cebreiro

Die hl. Jungfrau von O Cebreiro

Die hl. Jungfrau von O Cebreiro

Blick auf O Cebreiro von der höchsten Bergspitze aus

Blick auf O Cebreiro von der höchsten Bergspitze aus

Jedenfalls ist O Cebreiro einer der herausragenden Orte auf dem camino, es soll hier auch die allererste Herberge gegeben haben. In dem Refugio ist kein Platz mehr, denn viele Leute, die mit Bus oder Auto ankommen, beginnen hier ihren Weg, sodass nur noch wenige echte Pilger nach den Mühen des Tages ein Bett finden. Etwas Oberhalb der Herberge sind vier Armeezelte aufgestellt, das ist immer noch besser, als in der Enge der Herberge, dicht nebeneinander aufgereiht auf dem Boden zu schlafen. Als ich nach dem Duschen das Refugio verlasse, um wieder hinauf zum Zelt zu gehen, kann ich um mich herum nichts mehr erkennen, alles ist in dichten Nebel gehüllt. Es beginnt in Strömen zu regnen, aber wir haben ja ein schützendes Dach. Trotz des Regen laufen wir zum Abendessen nochmals hinunter ins Dorf. Später beim Einschlafen prasselt es immer noch auf das Zeltdach, von oben her ist es zwar dicht, aber wir müssen enger zusammenrücken, weil das an der Zeltwand ablaufende Wasser sich einen Weg durch das Zelt sucht.

Gedanken zum heutigen Weg:

  • – der Weg braucht seine Zeit im Tageslauf sowie im Lebenslauf
  • – der Klang des Dudelsacks führte wieder auf den rechten Weg
  • – auch das Wasser findet seinen Weg

Reiseweg
zum 25. Tag

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