16. Tag

Donnerstag – 24.07.2003

Donnerstag 24.07.2003 Besichtigung de Stadt Santiago, das Große Ereignis

Heute Abend ist in Santiago eine Fiesta; es ist der Vorabend des Namenstages des hl. Jakobus, ein Fest nicht nur für die Spanier, deren Nationalheiliger er ist, sondern auch für die zahllosen Pilger, die aus aller Herren Länder genau aus diesem Anlaß hier eingetroffen sind. Was ich heute gesehen und erlebt habe, übertrafft alle meine Erwartungen.

Gleich nach dem Frühstück in der Bar nebenan, mache ich mich auf zum Roten Kreuz, um mir dort die Fäden meiner Verletzung am Schienbein ziehen zu lassen. Wieder zurück zur Herberge bin ich danach mit Elisabeth und Emilie den ganzen Tag durch Santiago gebummelt. Es ist Markttag heute, wir schlendern eine Zeit lang durch die alten Hallen, vorbei an den betriebsamen Ständen und betrachteten uns das reichhaltige Warenangebot an Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Geflügel, Käse, Schinken,und Brot. Danach haben wir uns ein paar Kirchen angesehen, so die Jesuitenkirche, und die von San Martino Pinaro; laufen dann wieder durch die lebhaften Geschäftsstraßen, machen es uns auf der Plazuela de Fonsecca bequem und schauen den Gauklern und Komödianten zu. Eine politische Partei bittet die Passanten um Aufmerksamkeit, währenddessen sitzen wir gemütlich auf einer Bank und halten Brotzeit. Am späten Nachmittag, nachdem die beiden zu Pilgermesse waren, treffen wir uns zum gemeinsamen Abendessen,in einem Gasthaus bei San Martin

Wir begeben uns zum Großen Fest auf die Praza de Obradoiro, vor der Kathedrale. In der Abendsonne leuchtet gelbgold die Granitfassade des Gotteshauses. So erklärt sich auch der Name des Platzes. (Obradoiro = Goldarbeit) Man muss rechtzeitig da sein, um einen guten Platz zu ergattern, das haben wir uns schon vorher sagen lassen. Und immerhin macht es Spaß, dem Treiben der Menschen aus aller Herren Länder zu zusehen. Es ist etwa halb sieben, die Sonne scheint immer noch unbarmherzig auf uns herab, wir müssen von unserm mitgebrachten Wasser trinken, um nicht zu verdursten, an die Absperrung gelehnt dösen wir und schlafen vielleicht ein halbes Stündchen in der prallen Sonne. Als wir aufwachen, ist er Platz unversehends voller geworden, die Sonne steht nun schon viel tiefer und verschwindet hinter den Häusern. Gegen 22 Uhr wird es schon schwierig, noch ein freies Fleckchen zu finden. Ab und zu knallt verheißungsvoll ein Böllerschuss, doch dauert es noch eineinhalb Stunden bis die Show endlich beginnt.

Plötzlich erlöschen die Straßenlaternen, es ist stockdunkel und auf ein Mal totenstill. Da, ein heftiger Donnerschlag und wieder alles ganz still. Eine Stimme erschallt und gleichzeitig wandert eine Laser-Leuchtschrift über die Fassade von Kathedrale und angrenzenden Gebäude: SANTIAGO FINIS TERRAE Nun beginnt eine grandiose Multivisionsshow. In Bild und Ton wird die Geschichte Santiagos erzählt, dies mit einem Pomp und Aufwand, wie ich es noch niemals zuvor gesehen und erlebt habe, einfach beeindruckend. Es ist genau das, was die Herzen der Spanier bewegt, denn alles klatscht vor Freude und Begeisterung. Es steigert sich noch weiter in einem Superfeuerwerk, das von zwei Seiten den Platz überflutet. Ich deute es als den Kampf zwischen Mauren und Christen, links das Lager der Mauren hinter dem Hostal de los Reyes Catolicos, vor uns hinter der Fassade der Kathedrale die Aufstellung des christlichen Heeres. Mal hin mal her geht die Schlacht, mal sind es die Christen, mal die Mauren die zu siegen scheinen, doch schließlich wird das Feuerwerk der Christen immer heftiger, immer größer und das der Mauren erlischt am Ende ganz. Dafür erstrahlen eine Fülle von Sonnenrädern und Wasserfällen an der Fassade. Die Zuschauer klatschen vor Begeisterung, der Beifall scheint kein Ende mehr zu nehmen. Die dreiviertelstündige Gratis-Supershow endet um halb eins mit dem Jakobslied gefolgt von der spanischen Nationalhymne aber zur Ehre der Pilger aus aller Welt erklingt als Krönung Beethovens Ode an die Freude, „Freude schöner Götterfunke“.
Für die meisten der Menschen ist das Fest noch lange noch nicht zu Ende; denn sie verschwinden in den Kaffees, Bars, Gaststätten und Kneipen und da geht es jetzt erst richtig los, da wir gegessen, getrunken gesungen und getanzt. Wir jedoch müssen schnellsten zum Albergo zurück, denn es ist zu befürchten, dass die Tür irgendwann abgeschlossen wird. Um halb zwei kommen wir noch rechtzeitig bei der Herberge an. Tatsächlich sin jedoch noch fast alle Betten leer. Hundemüde schlafe ich ein und werde erst bei Tagesanbruch wieder wach. Keines der Betten ist nunmehr frei; unbemerkt hatte sich während der Nacht der Schlafsaal mit allen den Spätheimkehrern wieder gefüllt.

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