32. Tag

Mittwoch 24. August
Acilia – Cità del Vaticano – Ostia
Tagesstrecke 64 km – Gesamtstrecke 2389 km

Begegnung mit dem Papst

Papstwappen

Papstwappen

vom Radweg hinauf zur Straße

vom Radweg entlang dem Tiber hinauf zur Straße

Es war gegen Mitternacht, als ich mich gestern Abend mit einem herzlichen Auf Wiedersehen von meinen franco-italienischen Freunden verabschiedete. Heute Morgen muss ich sehr früh raus, denn es steht einiges auf dem Programm. Um 10:30 ist nämlich die Audienz beim Papst, wer zuerst da ist, hat die besten Chancen auf einen Platz, deshalb will ich den Campingplatz schon um sieben Uhr verlassen. Am Nachmittag nach der Audienz geht es endgültig aus Rom hinaus in Richtung Flughafen, da werde ich irgendwo ein letztes Mal mein Zelt aufstellen. Jetzt schon unterwegs in der Nähe des Palazzo EUR, wo die via Pasteur in die Via Amerika einmündet finde ich tatsächlich das sagenhafte Café, von dem Enrico mir vorgeschwärmt hat; da gibt es den besten Illy-Espresso von ganz Rom, gab er mir mit auf den Weg. Nicht weit davon, oh Wunder, gelange ich das erste Mal während meiner römischen Zeit hier am Tiber auf einen gut ausgebauten Radweg, ohne Autoverkehr und ohne Ampel. Nur das Hinaufkommen auf die Straße wird mir Schwierigkeiten bereiten, denn vom Radweg aus führt nur gelegentlich eine hohe steile Treppe nach oben. Ich habe Glück, es gibt eine Treppe mit einer eingelassenen Führungsschiene, zum Hinaufschieben des Rades.

Benedetto XVI

Benedetto XVI

Foto: Benedetto XVI

Foto: Benedetto XVI

Kurz nach acht erreiche ich den Petersplatz und gleich links hinter den Kolonnaden sehe ich eine große, wartende Menschenmenge. So suche ich mir zunächst eine geeignete Möglichkeit zum Festmachen für mein Rad mitsamt Gepäck und stelle mich ans Ende der Schlange. Die Zeit des Wartens ist kurzweilig, denn immer wieder kommt man mit Leuten ins Gespräch. So treffe ich auf eine große bayrische Gruppe alle mit grün-weißen Hüten als Erkennungszeichen; einige von ihnen interessieren sich für meine Tour hierher nach Rom, während ich ihnen davon erzähle vergeht die lange Wartezeit wie im Flug. Endlich die letzte Einlasskontrolle ist passiert, und wir erreichen die große Aula, in der 5000 Menschen platz finden können. Ich dachte ganz vorne irgendwo stehen zu können wegen der besseren Sicht, aber wir werden alle zurückgewiesen, denn aus Sicherheitsgründen darf hier keiner stehen. Schließlich bekomme ich, zwar viel weiter hinten, doch noch einen Platz. Die große Menschenmenge ist voller Erwartung, und sie bricht plötzlich in Jubel aus, man hört sie im Sprechchor rufen: Benedetto, Benedetto. Auf der Multivisionswand wird die Ankunft des Papstes gezeigt. Beim Betreten des Saales hört man ein begeistertes Viva il Papa. Er hält eine Ansprache in verschiedenen Sprachen, und man merkt deutlich, er ist selbst noch ganz erfüllt vom Erlebnis des Weltjugendtages in Köln, wo er noch am vergangenen Sonntag war. Die Audienz dauert etwa bis zum Mittag, dabei werden unzählige Pilgergruppen aus aller Herren Länder namentlich genannt. Natürlich gehört so ein kleiner Rad-Pilger wie ich zu den vielen Unwichtigen, Namenlosen, Ungenannten. Ich frage mich, ob außer mir noch jemand unter den Anwesenden ist, der solch eine große, körperliche Anstrengung durchgemacht hat, um hierher nach Rom zu gelangen. Manch einer kommt eben unbeschwerlicher in den Himmel! Während ich die Aula verlasse treffe ich wie zufällig auf Herbert. Er ein Radtourenfan hat sich im Pilgerbüro meine Website-Adresse abgeschrieben, weil er mich wegen meiner Romfahrt kontaktieren wollte. Einer aus 5000, fast wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. Von ihm habe ich eine gute Adresse für einen nächsten Aufenthalt in Rom und außerdem will er mir ein paar seiner Fotos von der Audienz schicken.

Picknick gegenüber der Tiberinsel

Picknick gegenüber der Tiberinsel

Foto: Meine letzte Nacht im Zelt

Foto: Meine letzte Nacht im Zelt

Es ist kurz nach Mittag, ich bin nun schon wieder auf dem Ufer-Radweg und lege genau gegenüber der Tiberinsel eine Rast für eine Brotzeit ein. Arrivederci Roma, sage ich vor mich hin, nicht ohne Wehmut, denn ich habe viel Neues gesehen, erlebt und lieb gewonnen. Ich fahre wieder etwa 10 km dem Tiber entlang aus der Stadt hinaus. Ein Radfahrer begleitet mich ein Stück des Weges, er erzählt mir innerhalb kürzester Zeit seine ganze Lebensgeschichte, er suchte offensichtlich einen geduldigen Zuhörer wie mich und dann sagt er mir schließlich: „In der kommenden Woche muss ich eine schwierige Operation über mich ergehen lassen, deren Ausgang ist recht ungewiss“. Beim Abschied verspreche ich ihm, dass ich an ihn denken werde. Bald darauf ein weiterer Radfahrer, der mir den allerbesten Weg zum Flughafen zeigt, er begleitet mich bis zur Ausfallstraße der Via Cristoforo Colombo. Ganz gemütlich geht’s über Acilia nach Ostia Antika, wo ich mich etwas außerhalb der Stadt hinter einem Strohhaufen letztmalig häuslich einrichte.

Reiseweg
zum 33. Tag

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