29. Tag

Samstag 24.07.04
vom Kap Finisterre zurück nach Santiago
– Fahrzeit 2,5 h – Wegstrecke – km – Summe 2148km – Temperatur bis 36°C

Es ist Spätnachmittag sechs Uhr. – Nun sitze ich auf der Praza do Obradoiro, schreibe mir ein paar Gedanken in mein Vokabelheft und lasse noch einmal diesen Tag Revue passieren. Heute am Vorabend des Namensfestes des Heiligen, beginnt ja „la fiesta grande „. Dieses Jahr ist es ein besonderes, weil der Tag auf einen Sonntag fällt, ein ANNO JACOBEO. Bis zum Beginn, der mit einem Donnerschlag „eingeläutet“ wird, das ist kurz vor Mitternacht, müssen wir allerdings noch ein paar Stunden warten. Aber erst nochmals zurück zum Ende der Welt. Das war ein herrliche Nacht in der kleinen Sandbucht von Fisterra. Ute und ihre Tochter Hannah schliefen noch am Strand, kaum erkennbar tief in ihre Schlafsäcke versteckt, als ich mich zum Bäcker aufmache, um Brot und Croissants direkt in der Backstube zu holen. Eine viertel Stunde hin, eine weitere viertel Stunde zurück durch den herrlichen Morgen, während der goldene Feuerball vor mir am Horizont aufgeht. Als ich zurückkomme, schlafen die beiden immer noch. Wir frühstücken gemeinsam, danach packe ich meine sieben Sachen, denn ich möchte mit dem ersten Bus wieder zurück nach Santiago. An der Haltestelle steht auch Sonja in der gleichen Absicht. Jedenfalls hat der Rückweg viel länger gedauert als die Hinfahrt, weil offensichtlich die Logistik nicht stimmte. Zwischendurch Umsteigen oder auch nicht, dann in welchen Bus einsteigen, keiner konnte einem das so recht erklären, nicht einmal der Busfahrer selbst. Die meisten Fahrgäste waren schon umgestiegen, da trifft ein weiterer Bus ein, und es heißt, der fährt direkt nach Santiago. Also beginnt das Rennen um die Plätze, zum zweiten Mal alles Gepäck umladen und hinein in den neuen Bus, der uns schneller ans Ziel bringen soll. Zurück im Albergo Aquario angekommen, erst mal duschen, Essen kochen, Rucksack aus- und umpacken und das Rad putzen, damit es für den Transport am Montag sauber ist. Die Rückgabe von Hannahs Rucksack hatte ich so vereinbart, dass ich ihn zu ihren in der Herberge zurückgelassenen Sachen lege, damit sie ihn wieder finden, falls wir uns nicht mehr sehen sollten. Alles ist nun wieder ordentlich umgepackt und ich mache mich auf den Weg zum Fest. Unterwegs komme ich wieder an der Universitätsbibliothek vorbei, wo ich ja die Möglichkeit ins Internet habe. Da beantworte ich wieder ein paar Briefe und begebe mich zum Festplatz vor der Kathadrale, der Praza do Obradoiro.

18:40 Uhr die Menschenmenge wird immer dichter, der Platz ist bereits halb voll. Man steht oder sitzt auf dem Boden, isst und trinkt und unterhält sich. Nur darf man seinen „Logenplatz“ für das nächtliche Spektakel nicht mehr verlassen. Eine Gruppe Spanier, die neben mir sitzen, nehmen mich in ihren Kreis auf, so halten wir unseren Platz gemeinsam, und ich werde nicht so leicht verdrängt. Einer von ihnen spricht ein wenig englisch, das erleichtert die Verständigung.

essen, spielen, schwatzen, träumen

essen, spielen, schwatzen, träumen

die Praza wird allmählich immer voller

die Praza wird allmählich immer voller

... und bald platzt sie aus den Nähten

… und bald platzt sie aus den Nähten

auch die Leute vom Pilgeressen treffe ich wieder

auch die Leute vom Pilgeressen treffe ich wieder

zum ANNO JACOBEO ist traditionell die Königliche Familie anwesend

zum ANNO JACOBEO ist traditionell die Königliche Familie anwesend

Um viertel vor zwölf nach einem Donnerschlag beginnt das Schauspiel mit einer wilden Lasershow. Bild und Ton durchfluten den ganzen Platz und es folgt ein grandioses Feuerwerk zu Ehren des Apostels. Es war aber nicht ganz so großartig und beeindruckend wie im vergangen Jahr. Vielleicht erwartet man, solch ein Event müsse sich immer noch weiter steigern. Am Ende jedoch will das Beifall klatschen kein Ende nehmen. Man sagt 20 bis 25 tausend Menschen waren auf dem Platz versammelt, nochmals die gleiche Anzahl kann man hinzuzählen, denn das Spektakel wurde auf zahlreiche andere Plätze auf Großbildwände übertragen. Ich treffe ganz in de Nähe zwei Österreicher wieder, die meinen Tipp, hierhin zu kommen, befolgt hatten. Sie laden mich am Schluss auf ein Bier in eine Kneipe ein. Leider kann ich nicht lange bleiben, die Herberge schließt nämlich um zwei Uhr. Auf dem Heimweg beobachte ich das bunte Treiben auf den Plätzen, Straßen und Gassen, Leute aus aller Herren Länder. An den Straßenecken immer wieder Gaukler, Komödianten, Musikanten, Mimen und Komiker zur Unterhaltung der Passanten. Es sieht so aus als wolle keiner heute Nacht ins Bett. Die Restaurants, Kaffees und Bars sind brechend voll, überall stehen Tische und Stühle auf der Straße und laden zum Verweilen ein.

ein großartiges Feuerwerk

ein großartiges Feuerwerk

sogar die Kathedrale hat ein festliches Gewand

sogar die Kathedrale hat ein festliches Gewand

Das ist typisch für Santiago, gar nicht so devot, wie man es von anderen Wallfahrtsorten her kennt. Hier kommt nach einer asketischen Pilgerreise die irdische Lebensfreude zum Ausdruck, jeder ist froh darüber, dass er ans Ziel gekommen ist und das muss mit Essen und Trinken reichlich gefeiert werden.
……als ich um kurz vor zwei wieder zur Herberge zurück komme, gibt es ein kleines Problem, mein Bett ist besetzt, es wurde irrtümlich ein zweites Mal vergeben. Aber ich hätte noch Aussicht auf ein Anderes, denn bis halb drei wird noch eine Gruppe erwartet, die sich auf dem nächtlichen Heimweg in der Dunkelheit verlaufen hat. (offensichtlich keine echten Pilger). Tatsächlich die Gruppe ist um eine Person geringer und dieses letzte Bett ist meins.

Reiseweg
zum 30.Tag

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