5. Tag

Mittwoch 30.06.04
von St Prest – Patay
– Fahrzeit 4,25 h – Wegstrecke 62 km – Summe 475 km – Temperatur 10-32°C

Mdm. et M. docteur Brossolet

Mdm. et M. docteur Brossolet

Am nächsten Morgen bin ich wie vereinbart um 8 Uhr am Kaffeetisch, um mit meinen Gastgebern zusammen zu frühstücken. Auch sie sind neugierig zu erfahren, wie es mir bisher ergangen ist und wann und wie ich in Santiago ankommen werde. Die Zeit vergeht wie im Flug. Beim vielen Erzählen vergesse ich fast mein Frühstück und es ist neun Uhr, heute eben mal etwas später mit dem Start. Ich erfahre, dass meine Route zum Teil mit einigen Etappen der Tour de France identisch ist, so fühle ich mich ein wenig dem Prolog zugehörig. Noch ein Erinnerungsfoto vor dem Abschied aber dann wird es Zeit zur Abfahrt.

Einfahrt in Chartres

Einfahrt in Chartres

Bald schon nähere ich mich bereits meinem nächsten Ziel, Chartres. Wenn man sich der Stadt auf der D906 von Nord – Osten nähert, begegnet man einem Phänomen. Die Turmspitzen der Kathedrale wachsen förmlich aus dem Berg heraus, bis beim Erreichen der Bergkuppe der Dom schließlich ganz herausragt. Die Stadt selbst ist noch gar nicht zu sehen, weil die Kathedrale hoch auf einer Bergkuppe thront und die übrige Stadt selbst rundherum wieder im Talkessel verschwindet. Den Tipp hatte mir mein Gastgeber beim Abschied noch mitgegeben. Nun wieder steil abwärts führt mein Weg hinunter zum Fluss zur Eure.

Foto: das erste Pilgerzeichen

Foto: das erste Pilgerzeichen

Unten angekommen finde ich den ersten Wegweiser nach Santiago. Emotionen der Hoffnung und Freude werden gleichzeitig in mir wach, sodass meine Augen feucht werden, auch heute noch, während ich 6 Wochen später diese Erinnerungen niederschreibe. Am besten sei es, das Rad bei der Association des Amis de Saint Jacques abzustellen, die Kathedrale sei ganz in der Nähe, Rad und Gepäck bestens vor Langfingern gesichert. Ich folge dem Rat meines Gastgebers, finde auch die Lokalität in einem Innenhof, doch da ist niemand von der Jakobsgesellschaft. Ein wenig im Schutz des Hofes schließe ich mein Rad ab und mache mich auf zur Stadtbesichtigung.

Fensterrosette

Fensterrosette

Westwerk

Westwerk

Vor allen Dingen gilt mein Besuch ja dem herrlichen gotischen Bauwerk, das mit seinen wunderbaren Fenstern seines Gleichen sucht. Ich bin begeistert, das alleine ist schon eine Reise wert. Nach der Besichtigung erhalte ich von Monsieur l’abbé einen Stempel, finde aber am Ausgang der Kirche auch noch einen Stand, wo mir gesagt wird, ich soll bestimmt noch die örtliche Jakobusgesellschaft anrufen. Das tue ich dann auch und wenig später treffe ich Frank am Pilgerbüro. Er gibt mir ein paar gute Ratschläge mit auf den Weg; wir tauschen unsere E-Mail Adressen aus und er führt mich schließlich aus der Stadt hinaus.

Meilenstein

Meilenstein

Während er mit seinem Auto vorfährt, radle ich ihm hinterher, vorbei an diesem denkwürdigen Kilometerstein, noch 1624 km bis zum Ziel. Bald bin ich jedoch schon wieder ganz alleine auf einer schmalen, menschenleeren Straße. Mittagessen um ein Uhr in Boncé, da gibt es frisches Wasser, um mir eine Waterzooi kochen zu können (das ist eine flämische Hühnersuppe). Weiter immer weiter durch den bisher heißesten Tag setze ich meine Fahrt fort. In Patay nach dem Einkauf in einem Supermarkt frage ich zwei Männer, die vor ihrem Haus gerade ein Gartentor reparieren, nach einem Campingplatz auf dem dem Weg zur Loire. „Noch 30 km bis dahin“, ist die Antwort. „Was, so weit noch? Das sind für mich ja noch fast zwei Stunden auf dem Sattel“. „Kein Problem“ , sagt mir der ältere von beiden, „Wenn du willst, kannst du dein Zelt hier im Vorgarten bei mir aufstellen“. Ich überlege nicht lange und nehme das Angebot gerne und dankbar an. Ich mache mir mein Abendessen zurecht und später werde ich eingeladen, um bei einer Flasche Wein gemeinsam das Fußballspiel an zu schauen. Es geht ja um die Europameisterschaft Das war heute einwenig mehr Sightseeing und deshalb bin ich nicht all zu weit gekommen. Morgen werde ich die Loire erreichen; da wird es zwar flacher sein, doch da liegen neue Sehenswürdigkeiten vor mir, Chambord, Blois, Amboise, ich werde also früh aufstehen müssen.

Reiseweg
zum 6. Tag

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